Herdenzusammenstellung

PDF-Broschüre erarbeitet von „Altweltkamele e.V." (Stand: Dezember 2017)
kva
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Herdenzusammenstellung

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Kamele sind Herdentiere. Eine Einzeltierhaltung von Kameliden ist nicht artgerecht!
Bei der Zusammensetzung von Kamelgruppen spielt neben dem Geschlecht vor allem das Alter und die Konstitution (Körpergewicht) eine Rolle. In freier Wildbahn laufen Kamele im gleichgeschlechtlichen Herdenverband und vorzugsweise mit Tieren in ähnlichem Alter. In Europa bestehen Kamelherden oft nur aus zwei bis drei Tieren, was eine artgerechte Herdenstruktur nur bedingt widerspiegelt. Problemlos lassen sich in der Regel Wallache und Stuten zusammen halten. Bei großen Alters- bzw. Konstitutionsunterschieden ist zu bedenken, dass der Bewegungs- und Spieldrang recht unterschiedlich ist: Jungtiere suchen einen Partner mit dem sie ausgiebig interagieren können, ältere Tiere haben lieber ihre Ruhe vor den jüngeren.

Kamelhengste benötigen eine besondere Aufmerksamkeit. Während sie außerhalb der Brunft, also meist im Sommer, mit den anderen Herdenmitgliedern in der Regel zusammengehalten werden können und verträglich sind, sind sie ab Brunftbeginn, also ab ca. November, oft „launisch“ und teilweise sehr aggressiv. Ihre „Kampfbereitschaft“ steigert sich oft mit zunehmendem Alter und gilt vor allem den männlichen Artgenossen, teilweise aber auch dem Menschen. In dieser Zeit empfiehlt es sich, den Hengst zu separieren bzw. mit den zu deckenden Stuten zusammen zu halten. Oft werden allerdings auch die jungen Fohlen oder männlichen Jungtiere vom Hengst angegriffen, was eine gemeinschaftliche Haltung erschwert. Hinzu kommen hier die Aspekte der Arbeitssicherheit. Mehrere Hengste können während der Brunft nur bei optischer und olfaktorischer Abwesenheit von Stuten zusammengehalten werden. Die Brunft ist nicht immer an den Winter gebunden. Es zeigen sich bedingt durch das ganzjährig gute Futterangebot zunehmend verlängerte Brunftzeiten.
Wenn die Größe der Herde es zulässt, ist unbedingt die Zusammenstellung einer Mütter-Kinder–Gruppe bis zum Absetzen der Fohlen zu empfehlen. Danach sollten die Jungtiere in einer Jungtiergruppe gehalten werden, wo sie u.a. ihr stärkeres Bedürfnis zum Laufen und Raufen (soziale Interaktion) befriedigen können.
  • Das natürliche Absetzalter in freier Wildbahn beträgt ca. fünfzehn Monate. Wie auch bei allen anderen domestizierten Tieren kann beim Altweltkamel die Säugezeit in menschlicher Obhut unter ernährungsphysiologischeen Gesichtspunkten zwar deutlich verkürzt werden, doch ist dies meist mit Nachteilen in der Sozialentwicklung der Tiere verbunden. Erschwerend kommt hinzu, dass in Europa mit dem Absetzen eines Fohlens oft sein Transport in eine neue Umgebung und in eine neue Herde verbunden ist. Solche Fohlen sollten möglichst spät abgesetzt werden. Wenn dagegen das Kamelfohlen nach dem Absetzen in einer Jungtiergruppe und in Sichtweite der Altkamele gehalten wird, kann früher abgesetzt werden.
  • Bei guten Folgehaltungsbedingungen kann um das erste Lebensjahr herum abgesetzt werden. Ansonsten sollte das Fohlen so lang wie möglich bei der Mutter und in der Herkunftsherde bleiben. Zum Vermeiden von einem zu frühen Absetzen sollten zumindest Kamele, die jünger als fünfzehn Monate alt sind, nie von einem Händler, sondern immer direkt beim Züchter gekauft werden. Ein Käufer, der keine optimalen Haltungsbedingungen für Absetzer hat, sollte sein Kamelfohlen vorübergehend beim Halter der Mutterstute unterstellen.
  • Mit ca. zwei, drei Jahren können die Kamele problemlos in Erwachsenengruppen integriert werden.
  • Ab ca. vier, fünf Jahren wird ein Kamel entsprechend seines Geschlechts bzw. seiner geplanten Verwendung gehalten (z.B. Reittier, Deckhengst, Zuchtstute).
  • Erst mit sieben Jahren ist ein Kamel völlig erwachsen.
Wichtig: Jedes Kamel ist ein Individuum und verhält sich entsprechend seiner Veranlagung sowie der gemachten Erfahrungen: ein Kamel hat eine sehr hohe soziale Anpassungsfähigkeit, wodurch das Verhalten der Tiere in menschlicher Obhut sehr variieren kann.
Beispielsweise wird nicht jeder Hengst aggressiv, ein spät gelegter Wallach kann Brunfterscheinungen zeigen, einzelne Tiere können dauerhaft aggressiv sein, oder manche Stuten dulden keine anderen Fohlen. Folglich sind bei jeder Herdenzusammenstellung die einzelnen Kamele in ihrem persönlichen Verhalten zu beachten und in passende Gruppen zu integrieren.
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